Restauration der historischen Stadtbahn von Locarno nach Madonna del Sasso

14. April 2022

Die historische Standseilbahn von Locarno erleichtert seit über 100 Jahren den Aufstieg aus dem Zentrum von Locarno hoch zum Wallfahrtsort Madonna del Sasso. Die aktuellen Wagen, hergestellt in den 50er Jahren, wurden über die Jahre laufend angepasst und teilrestauriert. Nun erhielten sie durch die Kabinenbau Spezialisten bei Calag Gangloff eine vollständige Restauration. Dabei gelang der Spagat zwischen dem Rückversetzen der Wagen in den Originalzustand und dem Anpassen an die modernen Anforderungen und Normen für Beförderungsmittel.

 

Eine städtische Standseilbahn mit dem Ziel der Touristenbeförderung – dieser Traum schwebte den heimischen Politikern bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor. Nach einer abenteuerlichen Reise durch Amerika und dank guter Erwirtschaftung in der eigenen Silbermine in Mexiko, konnte Giovanni Pedrazzini sich mit dem erarbeiteten Geld diesen Traum in der Schweiz als Initiator erfüllen. So wurde eine der spektakulärsten und elegantesten Standseilbahnstrecken der Schweiz im Jahre 1906 in Betrieb genommen. Fortan transportierte die Bahn Touristen nach Orselina zum Wallfahrtsort Madonna del Sasso. Zudem dient die Anlage auch als Zubringer zur Talstation der Seilbahn auf den Aussichtsberg Cardada (auch eine Kabine von Gangloff).

 

Grundlegende Restauration

Die Wagen aus den 50er Jahren erhielten auf die Sommersaison 2022 eine Komplettrestauration. Die Arbeiten wurden auf verschiedene Parteien aufgeteilt. So kümmerte sich die Firma Garaventa um die Aufbereitungen des Fahrwerkchassis und  in Langenthal wurden bei Calag die beiden Wagenaufbauten restauriert. Die Steuerung der Anlage und der Wagen wurde durch die Firma Sisag durchgeführt.

Auch die Innenbereiche der Bahnen erhielten einen neuen Anstrich. Um die Struktur und Farbgebung der ursprünglichen Wagen imitieren zu können, kam hier eine im Originalton eingefärbte Rhino Linings Beschichtung zum Einsatz. Dieses Material hat den Vorteil dass es sehr langlebige Material und resistent gegen Kratzer ist. Die stark abgetragenen Bodenelemente wurden kontrolliert und wo nötig ersetzt. Die Sitze sind ein wichtiges Element um den Charme der alten Wagen zu erhalten, daher wurden sämtliche Wagensitze originalgetreu aufgepolstert und neu bezogen.

Einige Highlights der Restauration:

  • Die Dachelemente der beiden Wagen wurden komplett ersetzt. Die neuen Bleche wurden dabei von den Spenglern der Calag mit viel Liebe zum Detail gemäss Original gefertigt und auf die bestehende Struktur angepasst.
  • Die originalen Aufstiegs-Tritte konnten bei einem der Wagen original wieder aufbereitet werden. Beim zweiten Wage mussten aufgrund des Zustandes neue Tritte nach altem Design hergestellt werden. Die Tritte sind dabei zwar nicht mehr in Verwendung, für den Anblick der Wagen aber ein wichtiges Element.
  • Die diversen Lackschichten welche sich über die Jahre angesammelt haben wurden komplett abgeschliffen, um die darunterliegende Struktur zu überprüfen und wo nötig zu reparieren. Anschliessend erhielten die beiden Wagen eine neue Grundierung und Lackierung in den Originalfarbtönen.
  • Die Elemente aus Holz wie Plattformen und Armlehenen wurden aus heimischen, tessiner Kastanienholz nachgebaut.
  • Die modernen Leuchten wurden in die Originalfassungen der alten Bahnwagen eingepasst und erhalten dadurch ebenfalls den alten Charme der Wagen.

Anpassungen an heutige Normen und Standards

Im Bereich der Sicherheit wurde den heutigen Normen Rechnung getragen und die nötigen Modernisierungen vorgenommen. So verfügen die beiden Wagen über eine innovative Steuerung, welche von der Firma Sissag eingebaut wurden. Dabei wurde darauf geachtet, die modernen Steuerungskomponente möglichst optimal in die antiken Wagen einzupassen. Neuste LED Leuchten garantieren bei Dämmerungsfahrten beste Sichtverhältnisse auf der Strecke. Auch diese wurden in die bestehende Wagenstruktur eingesetzt.

Die Türantriebe wurde auch ersetzt, und mussten in den zur verfügung bestehenden Räumen untergebracht werden, um optisch den nostalgischen Wagen nicht zu stören. Auch bei den Heizungen kommen neue moderne Heizkörper zum Einsatz. Damit auch diese kaschiert werden konnten, wurden die originalen Abdeckungen aufbereitet und wieder in die restaurierten Wagen eingesetzt. Somit bieten die Wagen nun die Annehmlichkeiten der Moderne mit dem Charme der historischen Wagen.

Für viele weitere Jahre gerüstet

Das Endergebnis der Restauration kann sich durchaus sehen lassen. Nach fünf intensiven Monaten erstrahlen die aufbereiteten Wagen in neuem Glanz, ohne dabei den Charme der Originalwagen eingebüsst zu haben. Mit viel Liebe fürs Detail und Handwerkskunst der erfahrenen Spengler und Kabinenbauer sind die Wagen ab Mai 2022 wieder auf der Strecke von Locarno nach Madonna del Sasso unterwegs und erfreuen die Besucher mit ihrem historischen Erscheinungbild.

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